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Zürich-Wiedikon – ein für Juden gefährliches Pflaster

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Zürich, 10.02.2026, 09:12 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Politik +++ Bericht 5198x gelesen

Zürich [ENA] Simon Uschi Bollag (85), einem Kaufmann der verschmitzten Art, sieht man die Lebensfreude an, noch bevor er seine Stimme erhebt. Er jongliert nicht mit Zahlen, sondern mit Lebensweisheiten, weiss sich als orthodoxer Zürcher Jude in zehnter Generation bestens, wenngleich sicherheitsbedingt nicht unbedingt wohlig, eingebettet in seine angestammte Umgebung. Doch letzthin wurde selbst ihm zu mulmig im Gemüt.

Der Antisemitismus feiert gerade wieder mal Urständ: Bloss drei Tage vor einem Interview mit dem ENA-Journalisten wurde genau vor dessen Büro in der Manessestrasse ein 26-jähriger Mann, der anhand seiner traditionellen schwarz-weissen Kluft als orthodoxer Jude erkennbar war, von einem Muslim aus dem Kosovo übelst mit Fäusten traktiert. Das Opfer erlitt leichte Verletzungen und einen veritablen Schock. Ohne spontane Intervention von Passanten, die den Täter dingfest machten, wäre er vielleicht zu Tode geprügelt worden. Nicht zum ersten Mal erschallte der „Allahu Akbar“-Schlachtruf im geschäftigen Zürcher Quartier Wiedikon, in dem Hunderte jüdischer Familien friedlich zuhause sind, sofern man ihnen denn ihren Frieden und ihre Würde liesse.

Bereits vor knapp zwei Jahren wurde in derselben Region ein 50-jähriger jüdischer Mann von einem in einer Winterthurer Moschee radikalisierten jungen Schweizer mit tunesischen Wurzeln mit 15 Messerstichen attackiert. Er überlebte den Mordanschlag knappstens, nicht zuletzt dank des beherzten Eingreifens von Passanten. Ein weiterer Attentäter hatte es auf die Quartiersynagoge in der Erikastrasse abgesehen: Er schüttete Benzin aus, um das Haus anzuzünden.

Ein zufällig aus dem Gebäude schreitender Beter erblickte den Mordbrenner, der sein Objekt bewusst ausgesucht hatte, und verfolgte ihn, indem er ihm nachrannte. Allerdings wurde er vom Attentäter abgeschüttelt. Und schliesslich deponierte jemand unweit – rein zufällig oder mit Bedacht? – einen Kanister voller Benzin an der Aussenwand eines äusserlich nicht erkennbaren jüdischen Betlokals. Der Kanister wurde rechtzeitig gefunden und entsorgt.

Ist und bleibt dieses Phänomen der Gewalttätigkeit gegen Juden äusserlich beschränkt auf Zürich-Wiedikon? Gewiss nicht! Antisemitische Übergriffe gibt es in Form von Mobbing gegen jüdische Schüler in öffentlichen Schulen und gegen jüdische Angestellte über Anrempeln, Spucken, öffentlich herausposaunten Fluchwörtern, in Form „pro-palästinensischer“ (in Wahrheit Hamas-freundlicher) Kundgebungen, quartierübergreifenden antiisraelischen Schmierereien sowie Hissen der Palästinenserfahne unter besonderer Hervorhebung des roten Dreiecks, welches von der Terrororganisation zur Kennzeichnung eines todeswürdigen Ziels dient und in Zürich bereits mehrfach an von Juden bewohnten Häusern, Geschäftslokalen und Galerien angebracht wurde.

Simon Uschi Bollag bleibt Realist, wiewohl mittlerweile selbst in städtisch subventionierten Kulturhäusern immer öfter geradezu systematisch gegen Israel (Stichwort "Völkermord") gehetzt wird: Man könne angesichts der reellen Gefahren nicht jedem jüdischen Schweizer in Zürich-Wiedikon einen Personenschützer beiseitestellen, man sei vielmehr gehalten, bedachtsam die Umgebung zu überprüfen, in der man sich bewege. Er selbst schaue auf den Strassen, insbesondere in der Dunkelheit, wenn er frühmorgens in die Synagoge zum Gebet schreitet, stets um sich, um Gefahrenmomente rechtzeitig zu erkennen.

In einem Gespräch mit seinem Grosscousin David Bollag, seines Zeichens Präsident der Agudas Achim, eine der vier offiziellen jüdischen Gemeinden auf Zürcher Boden, habe er erfahren, dass er, der kraft seines Amtes mehr als andere der Öffentlichkeit ausgesetzt ist, mittlerweile nur noch in Begleitung einer weiteren Person auf die Strasse tritt. Vorbei also die friedfertige Idylle, in die man die Schweiz stets zu verorten pflegte, wenn es rundherum auf dem europäischen Kontinent tobte.

Haben diese unhaltbaren Zustände zur Folge, dass die Stadtregierung und das Gemeindeparlament öffentlich mit markigen Worten auf den Putz hauen, um diesen Zustand zu brandmarken und zu zu ändern? Salopp gesprochen, ist die Antwort nein und ein bisschen ja. Man bekundet, auch seitens der Parteien, sloganmässig Sorge über den radikalen Judenhass, doch politisch verharrt die rot-grüne Seilschaft in einer lähmend erstarrten Passivität.

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