Israel, Land des Lächelns – ein Stimmungsbild
Tel Aviv [ENA] Was verleitet einen pensionierten Schweizer Bürger, dessen Leben an den Gestaden des Zürichsee bislang nur Gutes beschert hat, seine Päckchen zu schnüren, um ausgerechnet im brenzligen Nahen Osten, umtost von Kriegs- und Terrorgefahr, seine Zelte aufzuschlagen? Welche Magie verströmt der jüdische Staat, sodass sich alljährlich Zehntausende von Menschen in Bewegung setzen, um in Israel ihr Dasein neu zu organisieren?
Harry Hes, freischaffender Unternehmer, wanderte kurzerhand als Mittsiebziger aus, packte fünf Koffer, liess einen sechsten nachschicken, und landete von seinem Häuschen in Zürich-Albisrieden im nördlichsten Zipfel von Tel Aviv am Mittelmeer. Dort lebt er zufrieden im Einklang mit den Meereswellen, bildet sich weiter, knüpft menschliche Bande, singt, spielt Tennis, Bridge, und ist irgendwie froh, der judenhasserischen Atmosphäre in seinem Heimatland entronnen zu sein. Seinen neuen Standort in Herzliya betrachtet er trotz der kriegerischen Ereignisse und dauernden Anspannung als lebensbejahend und ideal für junge Familien mit Kindern.
Das aggressive Israel, welches man zu erkennen meint, wenn man den mitunter forschen Umgangston auf der Strasse und im Verkehrsgewühl zum Kriterium für die individuelle Einschätzung erhebt, verschwimmt förmlich, wenn man die komplexen Lebensumstände in der Wirtschaft, dem Militär, im politischen Umfeld herunterbricht auf die kleinen Geschehnisse zwischendurch, die sich justament dann ereignen, wenn einem das Lächeln gefrieren möchte, man sich jedoch über sich selbst erhebt, um es wieder loszueisen. Dinge, die unlösbar scheinen, versanden nicht in endlosen Schlaufen der Bürokratie, sondern werden im Gespräch einer Lösung zugeführt. Wer zu verstehen gibt, dass ihm geholfen werden solle, muss dies einfach bekunden – kurz, knapp, ehrlich.
Die Israelis kommen rasch zur Sache, drucksen nicht herum, verschleiern nicht mittels rhetorischer Nebelpetarden, um was es ihnen wirklich geht. Ihr Erscheinungsbild ist eher knurrend, uneinladend. Genau deswegen muss man sie einladen, so wie sich Harry Hes mit spitzbübisch-holdem Lächeln dazu versteht. Nicht weil er sich als Schweizer ein neues Gebaren zugelegt hat, sondern weil er seinen Charakter nicht ausspielen muss. Er ist einfach so, wie er leibt und lebt.
Natürlich kann Hes nicht stellvertretend für seine 25’300 beim schweizerischen Konsulat in Tel Aviv eingeschriebenen Landsleute sprechen, sondern bloss über das Ergebnis seiner eigenen Erfahrungswelt, die sich im jüdischen Land der komplexen Kontraste manifestieren. Was Hes besonders umtreibt: Ungeachtet der Kriege und des unermesslichen Leids, das die Bevölkerung im kriegerischen Existenzkampf immer wieder heimsucht, geht Israel seinen ureigenen Weg der Konfrontation mit den harten Realitäten. Das Leben wird nicht beiseite geschoben, sondern angepackt.
Nur so ist zu erklären, dass das kleine verletzliche Israel derartigen gewaltigen Gefahren, die es andauernd in die Knie zu zwingen drohen, zu trotzen vermag. Das Resultat ist hinreissend: Das Leben vibriert, und die Geburtenrate ist mit 3,06 Kindern pro jüdischer Frau mit Abstand wohl die höchste der westlichen Welt. Unbändiger Lebenswille hat den Jammergeist bezwungen!




















































