Bahnverspätungen O-weh – Ausreden ok 04.02.2026
Bundesweit [ENA] Ich kenne keinen Bahnfahrgast, der regelmäßig mit der Bahn, vorzugsweise ICE fährt, und nicht in gleicher Regelmäßigkeit Verspätungen der Züge bekommt. Besonders ärgerlich für Umsteiger, die häufig am Umsteigebahnhof mit längeren Wartezeiten konfrontiert werden, gerne mal eine Stunde oder länger.
Ich möchte heute mit einer so kenne ich das jedenfalls Daueraussage der Deutschen Bahn beginnen. Die geht in etwa so: Wir sind bemüht, unseren Service kontinuierlich zu verbessern. Neu sind so Aussagen wie: „ Gut informiert unterwegs „ oder auch „ Unsere Services informieren Sie aktuell über Pünktlichkeit, Verspätung und Änderungen an Ihrer Verbindung „. Ja, ganz toll. Dann schauen wir uns mal aktuelle Beispiele, alle aus dem Januar 2026 an und bewerten hinterher, wie sinnvoll die Infos wirklich sind.
Freitag 16. Januar. Göttinger Bahnhof. Fahrt von Göttingen nach Wächtersbach. Um 7.02 Uhr soll ein ICE nach Fulda gehen. Dort Umstieg in Regionalbahn. Einziger Halt Kassel – Wilhelmshöhe. Umsteigezeit 20 Minuten in Fulda. Viel Zeit, so denke ich. Auf der Anzeigetafel bereits die traurige erste Wahrheit des Tages. Der erste Zug nach Hamburg HBF, Abfahrt 6.05 Uhr, mit 150 Minuten Verspätung, heute erst um 8.32 Uhr Abfahrt. Ich frage mich gerade, was ich so lange machen soll. Aber für mich passiert ein Wunder: Der ICE nach Fulda trifft pünktlich ein. Aber schon eine Station weiter, in Kassel Wilhelmshöhe, keine Weiterfahrt, keine Durchsage. Erster Unmut unter den Fahrgästen.
Dann die bittere Wahrheit: Der Zug wartet auf das wechselnde Zugpersonal. Das sei noch nicht da. Nanu, wo ist das denn, kein Schnee, kein Glatteis ? Rund 20 Minuten später dann geht die Fahrt weiter, immerhin schafft es der Lokführer rund 5 Minuten aufzuholen, ich hoffe den Zug zu schaffen. In Fulda schnell von Gleis 6 auf 1, Treppe runter, 30m geradeaus, Treppe wieder hoch. Am Ausgang zum Gleis steht ein Bahnmitarbeiter mit Weste und ruft mir zu, ob ich nach Frankfurt will. Nein, nach Wächtersbach, und renne zum bereits stehenden Zug. Schnell eingestiegen, noch 2 Minuten bis zur Abfahrt. Doch dann sehe ich auf dem Monitor eine ganz andere Fahrstrecke. Was ist das ?
Auf meinem Ausdruck der Verbindungen ganz klar Gleis 1, das war immer so. Ich verlasse den Zug, renne zum Mitarbeiter, der mir erklärt, der Zug würde heute von Gleis 3 abfahren. Deshalb habe er ja gefragt, ob ich nach Frankfurt fahren wolle. Woher soll ich denn wissen wo der Zug alles hinfährt ? Gerade auf die Minute schaffe ich den Zug. Boah, gerade nochmal gut gegangen, denn der nächste Zug wäre in einer Stunde gekommen, ich hatte diverse feste Termine. Aber schon eine Station weiter, Station Neuhof. Der Zug fährt nicht ab, nach Minuten dann die Durchsage, es käme ein Zug entgegen mit Vorrang, man müsse halt warten. Und schon wieder 10 Minuten weg.
Neue Fahrt, neues Glück. Da ich ja die täglichen Probleme kenne, nehme ich eine ICE Fahrt am 28. Januar ohne Umstieg direkt nach Berlin. Abfahrt regulär 7.06 Uhr. Abfahrt wieder Göttingen. Ich bin gegen 6.30 Uhr am Bahnhof. Das Grauen erwartet mich schon bei Ankunft am Bahnhof. 3 ICE – Züge fallen an diesem Morgen gleich ganz aus, 3 weitere haben bis zu 1 Std. Verspätung. Ich frage mich, was heute morgen, so kurz nach Betriebsbeginn, schon wieder los ist mit den Zügen. Mir kommen die Durchsagen so vor als ob die Bahn eine 20-Zeilen-Ausredeliste hat und bei jedem Zug einfach einen Grund herausliest. Auch an diesem Tag die üblichen Durchsagen: Störung am Zug; Reparatur am Bahngleis; Signalstörung; Warten auf verspäteten Zug.
Oder auch warten auf Zugpersonal. Kenne ich alle schon. Ich wußte aber noch nicht welche Besonderheit mich heute erwarten würde. Gegen 7.11 Uhr kommt tatsächlich der Ice, nur 5 Minuten Verspätung, kein Problem. Das Problem kommt auf halber Strecke zwischen Göttingen und Hildesheim. Der Zug bleibt plötzlich stehen. Das kenne ich ja, aber was jetzt kommt, habe ich noch nie erlebt: Eine Durchsage: Der Zug habe keinen Fahrstrom mehr, wir können deshalb derzeit nicht mehr weiterfahren. Techniker wären daran, das Problem zu lösen. Sobald es Neuigkeiten gäbe, würde sich der Zugbegleiter wieder melden.
Das tat er dann nach ca. 30 Minuten Standzeit: Man werde jetzt versuchen, die Elektronik neu zu starten. Dazu werden im gesamten Zug die Lichter, Monitore usw. ausgeschaltet. Na herzlichen Glückwunsch. Nach ca. 10 Minuten gehen die Lichter wieder an, Monitore beginnen zu arbeiten, die erste Anzeige: Fahrt nach Hildesheim, derzeit 45 Minuten Verspätung, Geschwindigkeit 0 km/h. Da wäre ich gar nicht darauf gekommen. Nach ca. 1 Std. dann fängt der Zug an, sich langsam zu bewegen und läßt von der Geschwindigkeit anmuten wie die Brockenbahn.
Der Zugbegleiter erklärt per erneuter Durchsage: Man könne jetzt wenigstens mit 50 % Leistung und Geschwindigkeit weiterfahren, das würde bedeuten, das die Verspätung immer mehr zunehmen würde. Und da unser Zug ja nun die Strecke blockierte, fiel dann gleich mal der Zug mit Abfahrt 8.37 Uhr ganz aus. Und nach Hildesheim die Durchsage: Jeder Fahrgast dürfe sich im Bordbistro ein kostenloses Wasser abholen. Super, bei insgesamt 4 Stunden 30 Minuten von Göttingen nach Berlin, anders gesagt rund 90 Minuten längere Fahrzeit aber nur 1 Wasser auf Nachfrage, denn das Wasser wäre knapp. Okay, das waren ja auch große Flaschen mit 350ml Inhalt.
Aber es geht weiter. Am 30. Januar trete ich die Rückreise von Berlin nach Göttingen an, wieder ohne Umstieg. Abfahrt Ostbahnhof 10.17 Uhr. Und keine Anzeige von Verspätung, keine seltsame Durchsage. Es ist arschkalt heute, deutliche Minusgrade. Also betrete ich den Bahnsteig erst 8 Minuten vor der regulären Abfahrtszeit. Normalerweise ist der Ostbahnhof der Startbahnhof und der ICE steht 10 – 15 Minuten eher bereit, heute aber irgendwie nicht. Und was bis eben alles noch normal ist, wird jetzt unnormal. Eine Minute vor Ankunft, also 10.16 Uhr, eine Durchsage: Der Zug habe 20 Minuten Verspätung, der Grund sei eine verspätete Bereitstellung.
Iss klar, das wußten die auch erst ganz plötzlich 1 Minute vorher, damit sich die Fahrgäste erst einmal durchfrieren am Bahnsteig. Ich gehe runter in die Halle zum Schalter und frage, ob denn die 20 Minuten bleiben oder vielleicht 5 Minuten vor Ablauf wieder 10 Minuten drauf kommen. Die Mitarbeiterin guckt gespannt auf ihren Monitor und überrascht mich: Nein, das wäre nicht so, es könne sogar sein, das der Zug eher eintrifft. Iss klar, der kommt ganz plötzlich um die Ecke, und alle Fahrgäste die sich in der Halle aufhalten verpassen den Zug. Was ich lächerlich fand, wurde vermeintlich plötzlich ernst. Als ich ca. 5 Minuten vor Ablauf der 20 Minuten Verspätung wieder auf den Bahnsteig ankam, da war der Zug von der Anzeigetafel verschwunden.
Stattdessen stand der Folgezug an erster Stelle, der 10.32 ankommen sollte und nun auch 5 Minuten Verspätung hatte. Also theoretisch beide Züge jetzt zur gleichen Zeit am gleichen Bahnsteig, nur einer wurde nicht mehr angezeigt. Um 10.36 Uhr dann taucht der Zug, also meiner, wieder auf der Anzeigetafel auf und gleichzeitig gibt eine männliche Ansage bekannt, der Zug würde jetzt einfahren. Aber nicht 30 Sekunden, denn eine folgende 2. Ansage diesmal von einer Frau verkündet, das der Zug nun 25 Minuten Verspätung habe, also erst 10.42 eintrifft. O Wunder, er fährt dann tatsächlich 10.43 Uhr ein. Und es folgt eine freche Ansage der Bahn, die Fahrgäste sollen doch die gesamte Breite des Bahnsteigs zum Einstieg nutzen und zügig einsteigen.
Genau, um 30 Sekunden Verspätung wieder reinzuholen oder was ? Das perfide an der ganzen Sache: Obwohl die Fahrgäste nach ca. 2 Minuten alle eingestiegen waren, fuhr der Zug erst 10.52 Uhr ab, warum, bleibt das Geheimnis der Bahn. Wer jetzt glaubt, ab nach Göttingen, nicht doch. Kennt ihr denn nicht die Bahn ? Schon eine Station später, also Hauptbahnhof Berlin, stand der Zug wieder fest. Da war es 10.54 Uhr. Irgendwie festgefroren oder so. Die Durchsage der Verspätung: Verspätete Bereitstellung. Stimmt.
Jetzt soll der Zug 11.06 Uhr abfahren. Warum, keine Ahnung. Zwischendurch verschwinden dann die Anzeigen an den Sitzplätzen, alle Reservierungen weg. Die Begründung: Die 2. Klasse sei ausgebucht. Schön. Aber fahren tat er trotzdem nicht. Während inzwischen der 10.32 Uhr Zug uns eingeholt und überholt hatte, konnten wir uns den HBF länger anschauen. Aber keine Angst, Sie erinnern sich: Die Bahn hält sie auf dem Laufenden, die tat es auch: Jetzt hatte der Zug eine technische Störung, und schaffte es dann, um 11.18 Uhr die Weiterfahrt anzutreten.
Das waren MEINE 3 letzten Geschichten aus der Thematik Bahn, und keiner kann mir erzählen, das nur ich solche Probleme habe und hatte. Durchsagen auf Bahnhöfen mit Zügen, die Störungen haben, kommen zuhauf; oder die auf irgendwas/irgendwen warten. Dabei sind nicht die innerbetrieblichen Störungen eingerechnet, die ich erlebt habe: Zugesperrte defekte Toiletten oder Aussentüren die sich nicht öffnen. Und immer beschleichen mich 2 Vorahnungen: Alles marode, veraltet und nicht gewartet; die Fahrgäste und die Einhaltung von deren Reiseplänen geht denen wohl sonstwo vorbei.




















































