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The House of Rising Sun: Traditional & Kultsong

Verantwortlicher Autor: Herbert Hopfgartner Salzburg, 22.05.2024, 21:10 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 9522x gelesen

Salzburg [ENA] “There is a house (way down) in New Orleans, they call the Rising Sun. And it's been the ruin of many a poor boy, and God I know I'm one. Mother was a tailor, she sewed my Levi jeans. My father was a gamblin' man, down, way down in New Orleans. Now the only thing a gamblin' man ever needs, is a suitcase, Lord, and a trunk. And the only time a fool like him is satisfied, is when he's all stone cold drunk...”

Ob nun „The Animals“ mit der charakteristischen Stimme von Eric Burdon (1964), Woody Guthrie (schon 1941), Pete Seeger (1958), Joan Baez (1960), Bob Dylan (1961), Nina Simone (1962), Jimmy Hendrix, Miriam Makeba, Marianne Faithfull, Gus Backus, Tracy Chapman, Sinéad O‘ Conner, Toto, The Everly Brothers, Henry Mancini, Bon Jovi, The Spencer Davis Group oder auch Udo Jürgens, James Last, Karel Gott, Helge Schneider, Willy Astor und die Erste Allgemeine Verunsicherung – mittlerweile existieren mehr als 300 Versionen des Songs, der vielleicht schon einige hundert Jahre alt ist.

Der Organist der „Animals“, Alan Price, sicherte sich offenbar, ohne seine Bandkollegen näher zu informieren, die Rechte an dem Song – sowohl was den Text als auch die Musik betraf. So streicht er möglicherweise seit 1964 als Einziger die Tantiemen für das Musikstück ein, das wahrscheinlich aus einem alten Folksong entstanden ist. Die älteste Aufnahme – ein „Rising Sun Blues“ – stammt von Clarence Ashley & Gwen Foster aus den 1930er Jahren, wobei Ashley berichtete, dass ihm das Lied schon sein Großvater vorspielt habe. Dafür spricht, dass der Text schon 1925 von dem Volkslied-forscher Robert Wislow Gordon (in der Zeitschrift „Adventure“) publiziert wurde.

Tatsächlich schien es das „Rising Sun Hotel“ in New Orleans wirklich gegeben zu haben: In der Louisiana Gazette erschien im Januar 1821 eine Anzeige, dass sich Gentlemen verlassen könnten, in dem genannten Etablissement eine aufmerksame Bedienung (!) zu finden. Noch dazu fanden Archäologen 2005 im ehemaligen französischen Viertel der Stadt massenhaft Scherben von Schnapsflaschen und typische Schminktöpfchen mit Resten von Rouge – untrügliche Hinterlassenschaften eines einschlägigen Lokals…

Alan Lomax (1915-2002), texanischer Musiker und wie sein Vater Musikethnologe, untersuchte verschiedene Arten von Volksmusik, wobei er nicht nur im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika forschte, sondern auch in Europa. Viele Siedler brachten ja in den letzten Jahrhunderten ihre volkstümliche Musik bzw. ihre Musizier-weisen in die Neue Welt mit. Lomax spezialisierte sich auf diese Wurzeln der frühen amerikanischen Musik und fertigte unzählige Tondokumente an; seine Sammlung stellt nach wie vor einen großen Schatz an mündlich tradierter Musik in den USA dar.

In Bezug auf „The House of Rising Sun” gibt Lomax zu bedenken, dass alte englische Folksongs, beispielsweise „The Unfortunate Rake“ und „Matty Groves“, ähnliche Melodiefloskeln oder Harmonie-Schemen aufweisen. Desgleichen sei interessant, dass in diesen Liedern auch eine Kneipe namens „Rising Sun“ besungen wird, die in Lowestoft, in der östlichsten Stadt Großbritanniens (in der Grafschaft Suffolk), beheimatet war – an der Küste nah der aufgehenden Sonne…

Zur Version der Animals: Im Jahre 1958 gründete der Keyboarder Alan Price die „Alan Price Combo“, die künftig in den zahlreichen Clubs von Newcastle auftrat. Vier Jahre später stieß Eric Burdon von den „Pagans“ zur Band. Als Repertoire spielte die Band – nun in „The Animals“ umbenannt – vor allem Blues- und Soul-Nummern von Ray Charles, Sam Cooke, Chuck Berry und John Lee Hooker. Das „Animalische“ bezog sich laut Burdon auf „Schweiß, Sorgen, Soul und Sound“, wobei der Bandname wahrscheinlich auf „Animal“ Hogg, ein Mitglied der „Squatters“, einer lokalen Band, zurückzuführen ist.

Die erste Single, eine Coverversion von Bob Dylans „Baby let me take you home”, landete einen Achtungserfolg, sodass in der Folge mehrere Musiker auf die Band aufmerksam wurden – unter anderem engagierte Chuck Berry die Animals 1964 für eine gemeinsame Tournee. Als Schlussnummer spielte die Band einen alten Folksong, der sich deutlich von den ähnlich klingenden Rock ‘n‘ Roll-Songs und deren chauvinistischen Texten unterschied: „The House of Rising Sun“. Das Publikum reagierte begeistert.

So unterbrach im Mai desselben Jahres die Band kurz die Tour und nahm in den kleinen De-Lane-Studios in London den Song auf. Der schwingende 6/8-Takt, die Arpeggios der E-Gitarre, die bluesige Stimme des Leadsängers und die irisierende Orgel von Alan Price gaben dem Lied einen neuen und unverwechselbaren Charakter. Überliefert ist, dass die Band das Lied lediglich in einem Take aufnahm – also nach einer halben Stunde die Session beendete.

Vier Pfund Studiokosten stellen wohl einen Rekord auf – wenn man bedenkt, dass die Animals – und das unmittelbar nach den Beatles (!) – mit dem Song sogar die Spitzenposition in den britischen und US-amerikanischen Charts erreichten. Noch dazu dauerte „The House of Rising Sun“ unübliche und lange 4:29 Minuten! Ihre zweite Aufnahme entpuppte sich also als Hit – es sollte auch der einzige bleiben.

Dave Marsh, einer der bedeutendsten Musikjournalisten der USA bezeichnete den Song als „den ersten Folk-Rock-Hit“, der so klingt „als hätten sie [die „Animals“, Anm.] die alte Melodie an ein Stromkabel angeschlossen.“ Die BBC sprach von einer „revolutionären Single“, nach der „das Gesicht der modernen Musik für immer verändert wurde“. Lester Bangs charakterisierte den Song als „brillante Neuordnung“ und eine „neue Standardwiedergabe einer alten Standardkomposition (sic!).“ Mittlerweile belegt der Song Platz 122 auf der Liste der „500 größten Songs aller Zeiten“ (Rolling Stone Magazin).

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