Dienstag, 20.04.2021 22:25 Uhr

Unüberwindliches Baurecht, zu Recht?

Verantwortlicher Autor: Peter Schlusnus Herdecke, 21.03.2021, 16:33 Uhr
Kommentar: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 4292x gelesen

Herdecke [ENA] In einem Artikel der Welt vom 14.03.2021 wird ein junger Unternehmer vorgestellt der gerne in einem alten Stallgebäude auf dem Land Öko-Kleidung produzieren möchte, dies aber nicht darf, weil das Baurecht es nicht erlaubt. Nun prallen zwei Meinungen aufeinander, die keinen Kompromiss dulden. Nun kann man geteilter Meinung sein, warum er nicht darf und das Baurecht ihm im Wege steht.

Auf den Ersten Blick würde man wohl sagen, warum soll ein junger Unternehmer mit guten Ideen nicht auf dem Land in einer alten, ungenutzten Scheune nicht produzieren dürfen? Nur weil im Außenbereich eine derartige Tätigkeit nicht vorgesehen ist, hier sind nur landwirtschaftliche Betriebe ausgenommen. Verstehen kann man den Jungunternehmer ja nur zu gut, doch wie das so ist im Leben, jede Münze hat auch zwei Seiten.

Schauen wir doch mal in Länder mit anderen Bauvorschriften, z.B. wo das Baurecht nicht so ernst genommen wird, eine Aufzählung will ich mir an dieser Stelle ersparen. Sie alle kennen die Berichte aus Funk, TV und schreibender Presse. Nun möchte jemand auf dem Land, ohne Infrastruktur für sein auf Wachstum ausgerichtetes Gewerbe eine Baugenehmigung erhalten. Spontan würde wahrscheinlich jeder die Auffassung vertreten, lass den jungen Mann doch mal anfangen, Unternehmertum sollte unterstützt werden.

Doch das Baurecht schaut da ein wenig weiter in die Zukunft, z.B. wie nachbarschaftsverträglich ist das Gewerbe den zukünftig? Sind dann alle Nachbarn später noch der Meinung, dass sich die Produktion mit allen Raderscheinungen des Bauvorhabens und deren Erweiterung, aufkommender Lärm, Staub, Lieferverkehr, Mitarbeiterinnen in Tag- und Spätschichten, Parkplätze, schlechtes Internet etc. Die Liste der zu überlegenden Tatbestände, welche sich auch dann vielleicht erst später einstellen, ist zu berücksichtigen. Ein Paradebeispiel sind frühere Baugenehmigungen im Bereich von Hochspannungsleitungen.

Vertrauend auf die Ansiedlung von verständnisvollen Bürgerinnen kommen dann Jahre später diese mit Hinweisen auf die Schädlichkeit von Hochspannungsleitungen in Bezug auf die Gesundheit. Dann sollen die störenden Leitungen weg oder unter die Erde. Es ist ja am Anfang so einfach den jungen „Garagenunternehmern“ freie Fahrt für ihre Unternehmungen zu gewähren, doch wenn dann die ersten Probleme in der Nachbarschaft auftauchen, ist mit „Friede und Eierkuchen vorbei. Deshalb ist es wichtig, beide Seiten im Auge zu behalten und mit Maß und Übersicht Fragen des Baurechts anzugehen.

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