Montag, 27.06.2022 21:54 Uhr

Coronerie und ihre Folgen – digitale Messen ein Flopp?

Verantwortlicher Autor: Joachim Scheuermann Nürnberg, 03.06.2022, 20:10 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Wirtschaft und Finanzen +++ Bericht 4205x gelesen

Nürnberg [ENA] Nach zwei Jahren, durch die Coronerie bedingte Absagen von Präsenz-Messen, finden nunmehr für alle wieder zugänglich die „altbewährten Formate“ statt. Die Anzahl an Messen hat sich gegenüber Vor-Corona-Zeiten nicht wesentlich verändert. Die Einschränkungen, die bis Ende März galten haben dazu geführt, daß Messetermine verändert werden mußten. Dies hat auch Auswirkungen auf die Messeerfolge.

Virtuelle Messen, die während der Coronerie als Ersatz angeboten wurden, fanden nicht den Zuspruch wie die jahrhundertalten analaogen Formate. Gemäß dem AUMA-Messetrend 2019 – man beachte – haben sich Aussteller zu den Vorteilen von analogen Messen gegenüber digitalen Formaten wie folgt geäußert: 99 % führten den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch an; Beim digitalen Format kann zwischen Menschen die sich das erste Mal kennenlernen nicht der Austausch stattfinden im Vergleich zu dem persönlichen Kennenlernen mit allen Vor- und Nachteilen. 95 % äußerten sich, daß sie kompetente Ansprechpartner bieten können im Vergleich zum digitalen Format. Für 82 % steht die Ansprache aller Sinne bei der Produktpräsentation im Vordergrund.

Beim digitalen Format fehlt vor allem der haptische Eindruck zu einem Produkt, auch das Gehör und das Auge können nicht vollständig alles aufnehmen. Den Kunden im direkten Kontakt Erlebnisse bieten zu können war für 62% eine Entscheidung zugunsten analoger Messeformate. Immerhin noch 49% sahen als Vorteil das Testen des Produktes ohne Kaufverpflichtung, dies gilt für alle Produkte auch Maschinen und nicht nur Gebrauchsgüter.

Gemäß Erhebungen unter Geschäftsleuten, die sich dem Abenteuer digitale Messe unterzogen haben, vermißten viele den direkten persönlichen Kontakt mit Kunden. Auch die Möglichkeit sich durch einen raschen Gang durch die Messehallen einen Überblick zu verschaffen, was sich in der Branche getan hat, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil der analogen Messe klassischen Zuschnitts. Auch sogenannte Start-ups, die ihre Produkte das erste Mal einer größeren Öffentlichkeit präsentieren möchten, sind bei einer Präsenzmesse eindeutig besser gestellt als beim digitalen Format.

Am Beispiel NürnbergMesse ist zu erkennen, daß coroneriebedingt zahlreiche Messen von den Terminen her verschoben worden sind. NürnbergMesse hat unter den großen Messegesellschaften viele Fach- und Spezialmessen. Diese hatten in der Vergangenheit ihren speziellen Messetermin der sich sowohl unter den Ausstellern als auch bei den Fachbesuchern als passend herausgestellt hat. Viele dieser Messen sind nun von den Terminen her verschoben worden. So findet die Euroguss nicht mehr im Januar sondern nun im Juni statt. Die BioFach/Vivaness ist von Mitte Februar auf Ende Juli geschoben worden. Holz und Handwerk zusammen mit Fensterbau-Frontale ist von März auf Mitte Juli getauscht worden.

Ebenfalls im Juni finden die embedded world und parallel die SlowTec statt. In der letzten Juniwoche sind noch die Deutsche Kautschuktagung und die Feuer und Trutz auf dem Kalender zu finden. Bei NürnbergMesse wurde Ende April die IFH/Intherm abgehalten, die im Wechsel mit Frankfurt durchgeführt wird. Beide sind die letzten beiden Jahre ausgefallen. Desweiteren fanden im Mai die PCIM parallel dazu die Sensor+Test und die SMT Connect statt.

Hintergrund ist, daß NürnbergMesse gehofft hat allen Interessenten nach Aufheben der Coronerie-Maßnahmen eine Teilnahme zu ermöglichen. Ob den Ausstellern und den Fachbesuchern damit langfristig geholfen ist, muß erst noch verifiziert werden. Fachbesucher die ihr Informationsbedürfnis auf der Messe stillen wollten, sind nun gezwungen Kaufentscheidungen zurück zu stellen. Ob diese verzögerten Kaufentscheidungen kompatibel mit den Aufträgen sind, darf mit Recht bezweifelt werden.

Prominentestes Beispiel ist die „bauma“ die vom Termin her regulär in 2022 stattfinden sollte. Aufgrund der Coronerie-Maßnahmen hatte sich der Veranstalter entschlossen den ursprünglichen Termin von Anfang April auf Anfang Oktober zu verschieben. Fachbesucher dieser Messe wollen aber eine neue Maschine für die Aufträge des laufenden Jahres und nicht erst im kommenden Jahr einsetzen. Ob für das kommende Jahr eine Kaufentscheidung getroffen wird, hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Die Auftragslage des laufenden Jahres läßt sich leichter beurteilen, als die in zwölf oder fünfzehn Monaten.

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