Mittwoch, 18.10.2017 17:05 Uhr

IMSH Orlando 2017

Verantwortlicher Autor: U.Rembor Orlando, 16.02.2017, 20:12 Uhr
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Orlando [ENA] Simulation war gestern. Die Zukunft heißt "emotionally engaged Simulation" und in diesem Spiel führen die sog. "high-emotion simulators". Was das heißt ? Simulation an sich bedeutet, eine reale Situation so gut wie möglich nachzustellen um sie zu üben können. I.d.R. wird dort simuliert, wo echtes Üben in der Realität zu risikoreich wäre (Einsatzfahrtentraining, Eingriffe an Patienten),

zu teuer (z.B. Flugstunden oder Schiffsführung während der Nautik Ausbildung), nicht auf Abruf darstellbar (Soldaten können nicht auf Abruf in einer echten Schlacht trainieren, Berufskraftfahrer können nicht auf Abruf auf Glatteis oder schweren Nebel bestellen) oder unethisch (gesunde Zähne zu ziehen nur um das üben – geht nicht). Nun ist es aber ein gewaltiger Unterschied ob jemand lediglich den kalten, technischen Abläufe einer Handlung übt, oder emotional ganz bei der Sache ist.

Das gilt ganz besonders in der Medizin. Hier zählt nicht nur die einmalige Grundausbildung, sondern insbesondere die stetige Aufrechterhaltung und Verbesserung der Fähigkeiten, insbesondere der manuellen Geschicklichkeit. Ein angehender Arzt der an einem Stück Material seine laproskopischen feinmotorischen Fähigkeit übt, wird sich emotional weniger engagieren als ein Arzt der an einem Patientensimulator übt welcher Vitalwerte besitzt,

dessen Körper reagiert und der „sterben“ kann. Noch deutlicher wird es in der Notfallmedizin: es ist eine Sache wenn angehende militärische Sanitäter an einer Puppe die Erstversorgung eines abgerissenen Beines üben. Eine ganz andere Erfahrung ist es, wenn der „Patient“ schreit, um sich schlägt, Blut spritzt und ringsherum Granaten einschlagen. Wer solche Szenarien nicht vorher geübt hat, der kann im Ernstfall im worst case nicht schnell genug reagieren weil er zunächst irritiert, verstört oder verängstigt ist, oder er macht angesichts der traumatischen Eindrücke Fehler. Beides kann in der Medizin tödlich sein.

Somit steht heute nicht mehr nur der kalte, emotionslose technische Handlungsablauf im Mittelpunkt, sondern die möglichst emotionale Involvierung des Trainierenden. Dies wird dadurch erzielt, dass Simulatoren immer realistischer werden: Aussehen, Verhalten, Geräusche und Reaktionen künstlicher Patienten werden immer besser und realitätsnaher, und besonders hochwertige Simulatoren heißen leisten daher eine sog. „high emotion simulation“. Adam-X heißt so ein High-Tech Simulator von der Firma Medical-X, der in Deutschland exklusiv von ReHaGe, in Österreich exklusiv von Roraco vertrieben wird. Der kann zum Beispiel Injektionen erkennen und reagiert auf die Gabe von Medikamenten.

Außerdem bietet die Firma den derzeit einzigen Hybriden am Markt aus Patienten- und Laparoskopie Simulator: An diesem Gerät können die verschiedensten Eingriffe der sog. Schlüsselloch-Chirurgie geübt werden – und der „Patient“ reagiert darauf. Neu sind bei Adam-X auch optionale Trauma-Module die schwere Handverletzungen oder abgetrennte Arme simulieren. Zusätzlich bietet Adam-X folgende Möglichkeiten:

- Defibrillation - Intraossiäre Interventionen - Eumach Manöver - Ultraschall Untersuchungen - Tracheotomie - Thoraxdrainage - Toriqueteinsatz Der Simulator kann die Augen bewegen, kann Tränenflüssigkeit, Schweiß, Blut und andere Körpersekrete absondern, hat einen einstallbaren Pulsschlag und kann aufrecht sitzen. Um die Realität und damit das emotionale Engagement noch weiter zu erhöhen, kann Adam-X wahlweise mit männlichen oder weiblichen Köpfen ausgestattet werden die mit ihrem hyperrealistischen Aussehen bestechen. Bei den Simulatoren Lap-X und Hystero-X wurden Optik, Haptik und Bildqualität der Simulation dramatisch erhöht. Bildschärfe, Detailreichtum und Akkuratesse sind atemberaubend.

Der Baby-Simulator „Nena“ der speziell für die Ausbildung von Neonatologen und Pädiatern konzipiert wurde, simuliert ein frühgeborenes Kind so lebensecht, dass es schon zu Verwechslungen mit echten Babies kam. Die Simulationspuppe (wobei der Ausdruck „Puppe“ hier eine maßlose Untertreibung darstellt) kann sogar intubiert werden. Außerdem bieten NenaSim und NenaSim Frühgeborenes folgende Optionen: - Lungendrainage - Rektales Temperaturmessen - Pupillenreaktion - Intubation (Laryngoskop Gr. 1) - Stimmbänder - Epiclatus - Cyanosis im Gesicht und Händen - IV Zugang - Kathederzugang - Fühlbares Skelett - Hüftfehlstellung

Die nächsten Termine für die IMSH (International Meeting for Simulation in Health Care) sind der 13.-17. Januar 2018 in Los Angeles, der 26.-30. Januar 2019 in San Antonio, Texas, der 18.-22. Januar 2020 in San Diego und der 9.-13. Januar 2021in New Orleans. Die deutsche InSIM – Interdisziplinäres Symposium zur Simulation in der Medizin, findet vom 12. – 14. Oktober 2017 in Dresden-Radebeul statt. Das erste Symposium für Simulation in der Präklinik findet am 28. März 2017 in Heidelberg statt. Die medizinische Simulation hat in den vergangenen Jahren insbesondere in der Präklinik eine enorme Entwicklung durchlaufen und ist in unterschiedlicher Form in verschiedenen Bereichen fest etabliert.

Da dies junge Thema auch viele Fragen aufwirft, widmet sich das 1. Symposium Simulation in der Präklinik – veranstaltet von den Kooperationspartnern Zeitschrift Rettungsdienst, der Firma Skillqube und der DGSIM – vor allem den Themengebieten Planung, Durchführung und Techniken der Simulation sowie dem Debriefing – für ein Mehr an Patientensicherheit. In den Fachvorträgen sollen nicht nur aktuelle Studien zur Rentabilität der präklinischen Simulation und zum Outcome des Patientenstatus präsentiert werden, sondern durch einen hohen Praxisbezug auch Fragestellungen zu den Grundlagen des Simulation beantwortet werden. Welchen Stellenwert hat die Simulation heute und was hat CRM damit zu tun? Wie werden hochwertige Teamtrainings gestaltet?

Wann ist in der Simulation weniger mehr? Gibt es einen goldenen Schlüssel zum erfolgreichen Training? Und wie werden Qualitätskontrollen im De-briefing erfolgreich durchgeführt? Acht Referenten, die mit der Arbeit des Rettungsdienstes durch ihre tägliche Arbeit als Dozenten, Rettungsdienst- oder Schulleiter bestens vertraut sind, geben Antworten auf diese Fragen. Ein get-together am Vorabend bietet weitere Möglichkeiten zum ausführlichen Gedankenaustausch und zum netzwerken. Weitere Informationen finden Sie unter www.simulation-praeklinik.de

Solche Traumata sollten besser simuliert werden!
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