Montag, 27.06.2022 22:01 Uhr

Von Neojakobinern und Esstischexorzisten

Verantwortlicher Autor: Michael Beier Bingen, 19.06.2022, 11:16 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 1242x gelesen

Bingen [ENA] Mal kurz vorneweg: Ich verzichte hier ganz bewusst auf das Gendern mit irgendwelchen Sternchen und Anhängseln. Ich bin kein absoluter Gegner davon, aber meiner Meinung nach ist das für eine geschlechtergerechte Sprache absolut kontraproduktiv, vom Redefluss mal ganz abgesehen. Und mit einer falschen, exzessiven Anwendung machen die Nutzer bzw. Nutzerinnen sich einfach nur lächerlich…

Und vorher ein Blick in den Duden - könnte hilfreich sein. Ich finde, dass es für die Gerechtigkeit besser ist, die Geschlechter gezielt anzusprechen. Und wenn das hier mal im weiteren Text nicht passieren sollte, ich betrachte alle Geschlechter als gleichberechtigt. Deswegen braucht sich hier niemand aufzuregen. Doch zurück zum Thema… Halt, eigentlich sind wir ja doch schon beim Thema.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit. Die ersten Ansprüche und Forderungen der Jakobiner, die so gerne zitiert und ins Feld geworfen werden. Und, was ist übriggeblieben? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit… nichts mehr mit Gerechtigkeit… Und Brüderlichkeit? Da weiß schon die Bibel, dass es damit nicht so weit her ist. Ich habe noch keine Brüder, Geschwister oder Schwestern gesehen, die ohne Unterschied waren. Und deswegen lasse ich diesen Aspekt für heute mal aus

Doch ist Gleichheit gerecht? Eine selbsternannte Elite versucht der Masse eine scheinbare Gerechtigkeit durch Gleichheit zu verkaufen. Doch sind Gleichheit und Freiheit nicht per se unvereinbar? Und wird dadurch nicht Gleichheit ungerecht? Freiheit bedeutet Wettbewerb. Freiheit bedeutet Diskurs, andere Meinungen und Vorstellungen zu haben. Freiheit bedeutet Selbstbestimmung, auch der Lebensziele und der Lebensweise.

Wer Gleichheit erzwingt, beschneidet die Freiheit. Jedoch genau das versucht diese Fraktion mit allen Mitteln um ihre Ansichten durchzusetzen. Eine egalitäre Ideologie, die eine moralische Gleichschaltung zum Ziel hat (Gleichschaltung? Das hatten wir doch schon einmal…). Diese besserwisserischen Moralapostel, die nur ihre eigenen Ideen, Meinungen und Maxime zum Maßstab aller Dinge erheben, begeben sich auf einen sehr schmalen Pfad an dessen Ende die Freiheit zu Grabe getragen wird

Jeder der sich die Freiheit des Freidenkertums nimmt, Dinge auch kritisch aus einer anderen Perspektive zu sehen, sieht sich einer Phalanx aus selbsternannten Sittenwächtern, Zensoren, Richtern und Henkern – und das in Personalunion – gegenüber. Egal um was es geht: Klima, Rassismus, Geschlechterrollen und sogar das Essen – wir stehen einer orwellschen Dialektik und Sanktionierung a la 1984 gegenüber. Wer sich nicht an die „verordnete Denk- und Sprechweise“ hält, den drohen Sanktionen mittelalterlichen, fast epischen Ausmaßes.

Es ist der Pranger, die Verbannung, die Hexenjagd und der Scheiterhaufen in den sozialen Medien, die Verurteilung und der Esstischexorzissmus innerhalb der Familie. die auf den vermeintlichen Querulanten, Ignoranten oder kritischen/politischen/kulturellen Gegner (und ich meine nicht hier die Personen, die sich mit wüsten Verschwörungstheorien hervortun) warten. Und es funktioniert. Ohne Rücksicht auf irgendwelche rechtsstaatlichen Regularien. Angesichts der multimedialen Blockwarte, die redegewandt und ihrer Sache überaus sicher sind wird ein medialer Mob mobilisiert, der denunziert, blockiert, intrigiert und manipuliert, es entwickelt sich eine gefährliche Spirale des Schweigens.

Und die Position des unanfechtbaren Despoten wird immer mehr gefestigt. Die Fahrt beginnt: jemand, der zum „unterlegenen“ Lager zählt, lässt sich leicht beeinflussen und kann auch gegen seinen Willen in ein bestimmtes Verhalten gezwungen werden. Oder er schließt sich einfach der manipulativ stärkeren Seite an, um einfach die Auseinandersetzung zu meiden, wie es jetzt sogar bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu bemerken ist. Wo ist ihr Neutralitätsanspruch geblieben? Das saubere, objektive recherchieren? Das Vermitteln von Fakten statt von Meinungen… Und wenn ich mir das Ganze so ansehe, ist nichts mehr von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit übriggeblieben

Aber das ist nur meine Meinung. Denken Sie mal darüber nach.

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