Dienstag, 20.04.2021 21:54 Uhr

Stopp geheimdienstlicher Corona-Verfolgung in Israel

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 30.03.2021, 12:11 Uhr
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Jerusalem [ENA] Der israelische Inlandgeheimdienst „Shabaq“ ist um eine Aufgabe ärmer geworden: dank massiver Verringerung neuer Corona-Ansteckungsfälle darf er voraussichtlich seine technologisch ausgeklügelten Vorrichtungen zwecks Eruierung von Quarantäne-„Sündern“ sowie mutmasslich auf öffentlichem Grund unwissentlich Angesteckter nicht mehr anwenden. Der Kommissionsentscheid im Parlament fiel knapp aus.

Bevor sie gegen die Zivilbevölkerung zum Einsatz kam, wurden sie primär fürs Verhindern terroristischer Machenschaften verwendet. Die Sekundärnutzung aus menschenrechtlicher Sicht scheint nicht über jeden Verdacht juristischen Missbrauchs erhaben. Nun obläge es der Regierung, die zeitlich beschränkte Order innerhalb der nächsten 24 Stunden zu verlängern. Ob sie von dieser Prärogative Gebrauch machen wird, scheint derzeit eher unwahrscheinlich, da die einflussreiche parlamentarische Kommission für Äusseres und Sicherheit dem Ansinnen des auf Nachverfolgung sämtlicher Bewegungen bis in die intimsten Sphären spezialisierten Geheimdienstes den Riegel schieben möchte. Mit 4:3 Stimmen hat sie für einen Abbruch der Übung plädiert.

Die Vereinigung der Ärzte für Öffentliche Gesundheit war ob diesem Entscheid alles andere als erbaut. Lange hatte sie für diese Radikallösung zur Auffindung von ‚Quarantäneverbrechern‘ und vom Virus frisch Heimgesuchter geweibelt. Nun entgleitet ihr die Daseinsberechtigung der besonderen Massnahmen, nachdem etwa 5,3 Mio. Israels - erheblich mehr als die Hälfte der Landesbevölkerung, unter den Erwachsenen weit über 90% - gegen Corona mit dem amerikanischen Pfizer-Produkt geimpft worden waren.

Mit Hightech gegen Viren

Gemäss der von der Ärztevereinigung erhobenen Daten seien ausschliesslich mit durch den Inlandgeheimdienst betriebenen Hightech-Sensoren über 100’000 Corona-Kranke entdeckt und infolgedessen in die gesellschaftliche Isolation abgesondert worden. Dadurch sei der Krankheitsausbruch bei 98’000 Personen verhindert worden. Diese Ansteckung hätte 2000 Schwerkranke, hiervon 750 mit Todesfolge, nach sich gezogen. Das israelische Gesundheitsministerium geht in einer Zweimonatsbilanz von der Verhinderung von 210 Todesfällen bei mehreren Zehntausend Ansteckungen aus.

Auf dem Jahrmarkt der statistischen Börse wollte das Gesundheitsministerium auf den Sukkurs durch antiterroristische Mittel erst verzichten, wenn der tägliche Inzidenzwert auf unter 1000 oder die Entdeckungsrate von Neuansteckungen durch den „Shabaq“ innerhalb einer dreiwöchigen Frist auf unter 5% der ermittelten Gesamtzahl sänken. Am vergangenen Montag erkrankten indes bloss 128 Israelis neu an Corona.

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