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J. Grässlin: "Militär und Rüstung sind das Problem!"

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Stuttgart, 13.03.2022, 20:39 Uhr
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Plakat einer Teilnehmerin
Plakat einer Teilnehmerin  Bild: Sergej Perelman

Stuttgart [ENA] 35.000 Teilnehmer versammelten sich in Stuttgart zur Kundgebung der Initiative "Stoppt den Krieg!". Jürgen Grässlin spricht sich für Abrüstung statt Aufrüstung aus, kritisiert die Bundesregierung scharf wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine und der drastischen Erhöhung des Militäretats.

Ein breites Bündnis aus Friedensinitiativen, Menschenrechtsinitiativen, kirchlichen Einrichtungen, Gewerkschaften und Naturschutzorganisationen rief zu der Kundgebung "Stoppt den Krieg! Frieden und Solidarität für die Menschen in der Ukraine" im oberen Schlossgarten auf. Der Aufruf stieß auf sehr große Resonanz. Die Veranstalter sprechen von 35.000 Teilnehmern. Bemerkenswert neben Beiträgen von DGB, Fridays for Future, Vertreterinnen der ukraininschen und russischen Diaspora war die Rede von Jürgin Grässlin von der 'Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen' und 'Aktion Aufschrei – stoppt den Waffenhandel', die neben vereinzelter Kritik auf großen Zuspruch traf.

Gleich zu Beginn von Jürgen Grässlins Redebeitrag folgt ein gefühlvoller Appell für ein Umdenken. Es müsse auf zivile Konfliktlösungen und pazifistische Modelle gesetzt werden, so Grässlin. Mit dieser Fordeung erntete er einen lauten Applaus. Putins Krieg stelle einen Bruch der UN-Charta dar, setzte er seine Rede fort. Zur Umweltproblematik meint Grässlin unter Berufung auf eine Studie: "Krieg ist die schlimmste Form der Umweltzerstörung!" Der Einsatz von Atomwaffen müsse mit allen Anstrengungen verhindert werden. Grässlin wünscht sich, "dass auf neutralem Boden, z.B. in Genf unter Leitung des UN-Generalsekräters Antonio Guterres Friedensverhandlungen stattfinden."

Transparent des Friedenstreffs Stuttgart Nord

Die Fortsetzung seiner Rede wird nachstehend im Wortlaut wiedergegeben:"Wir fordern: Die Waffen müssen schweigen! Stoppt diesen Krieg! Jede diplomatische Verhandlung, jede Diskussion, jede diplomatische Bemühung – alle Gespräche sind tausendmal besser als Krieg! Es ist jetzt eine weitverbreitete Meinung: Wenn irgendwo Bomben fliegen und gemordet wird, dann muss noch mehr Militär her. Nein, so ist es nicht! Die Erfahrungen der Kriege der Neuzeit von Afghanistan über Jemen und Iraq – all diese Kriege, die gelaufen sind, zeigen eines: Militär und Rüstung sind nicht die Lösung, Militär und Rüstung sind das Problem! Es gibt so viele tolle Beispiele in der Geschichte der Menschheit, wie gewaltfreier Widerstand nachhaltiger und wirkugsvoller ist."

"Müssen wir nicht Waffen liefern? Ich kann diesen Reflex verstehen! Liebe Freunde! Weil ihr überfallen werdet in der Ukraine und es sterben Menschen Tag für Tag. Ja, ich verstehe, dass ihr diesen Reflex habt! Aber denkt bitte dran, jeder Staat, der Waffen liefert, wird Kriegspartei. Jeder Staat, der Waffen liefert, wird automatisch nicht mehr verhandlungsfähig sein! Das Normandie-Abkommen ist gestorben mit den deutchen Waffen, die geliefert wurden. Und die Behauptung, es seien Defensivwaffen, ist faktisch völlig falsch! Du kannst jedes Gewehr, jeden Raketenwerfer einsetzen, um Menschenrechte zu verletzen! Wer Waffen liefert, der eskaliert, der gießt Öl ins Feuer und er gibt der Gegenseite die Möglichkeit, zu sagen: Ihr seid Kriegspartei!"

"100.000.000.000€ - Hochrüstungskanzler Olaf Scholz, der plötzlich über unglaublich Geld verfügt; ein Sondervermögen für die Bundeswehr, Beschaffung militärischer Kampfdrohnen, Beschaffung von Kampfbombern, die atomawaffenfähig sind. Eine enorme Steigerung des Rüstungsetats in den kommenden Jahren soll für Waffen und Militär da sein. Wisst ihr, wo die Champagner-Korken knallen? Die Champagner-Korken knallen bei 'Heckler&Koch' und bei 'Rhein Metall' und bei allen Rüstungsfirmen, die davon profitieren, weil der Aktienkurs steigt. Sie sind Kriegsprofiteure! Schande über alle diese Rüstungsfirmen! Schande über alle, die bei diesem Aufrüstungsprogramm mitmachen!"

"Lasst uns in dieser einmalig tollen, dieser wunderbaren Bewegung, die wir heute haben: soziale Bewegung, Gewerkschaft, Kirchen, Gruppen der Zivilgesellschaft, Friedensbewegung, zwei Dinge sagen: Erstens, wir wollen abrüsten, statt aufrüsten und zweitens, wir wollen Sicherheit NEU denken! Wir haben eine Zeitenwende. Aber wir werden die Zeitenwende in die richtige Richtung lenken! Nicht 100 Mrd. für Militär! 100 Mrd. für Frieden, für Abrüstung, für Soziales - das brauchen wir! Geld für Bildung und Erziehung, für Kunst und Kultur, für Gesundheit und Pflege, für regenerative Ernergiequellen, für die sozial-ökologische Transformation. Das ist ein zukunftsfähiges Deutschland und nicht das Waffendeutschland, das die Regierung will!"

Transparent des 'Offenen Treffens gegen Krieg und Militarisierung Stuttgart'
Banner von Teilnehmern
Plakat am Rande der Versammlung
Teilnehmer im Bühnenbereich
Schild eines Teilnehmers
Familie mit Demoschildern
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