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Ex-Superminister Clement: Ich habe Trittin erlitten!

Verantwortlicher Autor: Christian Flühr Großhadern, 14.05.2013, 10:14 Uhr
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Ex-Superminister Clement bei der FDP
Ex-Superminister Clement bei der FDP  Bild: Bettina Scheiwein

Großhadern [ENA] Die FDP hat es bei Umfragen zurzeit nicht leicht. Da kommt es wie gerufen, wenn ein ehemaliger Genosse, der sich selbst in seiner Rede als Sozialdemokrat ohne Parteibuch bezeichnet, die Liberalen in München im Wahlkampf zu den im September anstehenden Landtags- und Bundestagswahl unterstützt.

So geschehen am Sonntag, 12.05.2013, im Festzelt in München-Großhadern, wo der ehemalige Superminister für Wirtschaft und Arbeit und Mitarchitekt der Agenda 2010 als Politik-Rentner an das Mikro trat und Klartext redete. Neben Clement sprachen noch Daniel Vöst (Münchener FDP Chaef), Dr. Wolfgang Heubisch (Staatsminister für Forschung, Wissenschaft und Kunst) sowie die ehemalige Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl, die im Herbst als Landtagskandidatin für die FDP antritt.

Gabriele Weishäupl FDP

Die Reihen im Großhaderner Festzelt waren alles andere als geschlossen, nur rund 150 Zuhörer wollten Clement an diesem Sonntag hören und alle anderen verpassten durchaus gute Redebeiträge, die weit über politische Allgemeinplätze hinausgingen. Nach einem kurzen Statement der Person, die sich am besten mit Bierzelten in München auskennt, Gabriele Weishäupl, folgte als nächster Redner der Münchner FDP-Chef Daniel Föst, der die geplante Verbotsorgie der Grünen in deren Wahlprogramm in plakativer Form skizzierte: „Billigfliegerverbot, Heizpilzverbot, Erdbeerverbot im Winter, Süßwarenwerbeverbot, Computerspielverbot, Verbot von Lichtverschmutzung...!“

Bei Föst war schnell klar, wen die Liberalen als politischen Gegner ausgemacht haben: Die Grünen. Da laut Umfragen angeblich mehr als die Hälfte der Bevölkerung für Steuererhöhungen sind, fragt sich Vöst, warum dann keiner der Arbeitnehmer einfach auf seine Werbungskostenpauschale verzichtet. Das wäre für ihn eine sinnvolle Alternative zu den Steuererhöhungsplänen der Grünen, die momentan in aller Munde sind. So könne man sich viele Regelungen sparen.

Wolfgang Clement

In den Reden der FDP-Größen wurde immer wieder auf Kernaussagen liberaler Politik hingewiesen: Weniger Staat, mehr Vertrauen in die Bürger. Weniger Regeln, mehr Freiräume. Jemand, der liberales Gedankengut seit ein paar Jahren scheinbar mehr und mehr für sich entdeckt, war der letzte Redner des Tages, der vor einigen Jahren noch ein rotes Parteibuch trug: Ex-Superminister Wolfgang Clement. Nach der Ypsilanti-Affäre gab er selbst seine Mitgliedschaft in der SPD ab, nachdem seine eigene Partei versuchte ihn hinaus zu werfen.

150 Zuhörer bei Clement

Clement, selbst früher Boulevardjournalist, lief in Großhadern zur Hochform auf und teilte in alle Richtungen aus. Zunächst ging er mit einem alten Widersacher, Dr. Edmund Stoiber (CSU) ins Gericht, zielte aber auch schnell in Richtung Rot und Grün und beschwor einen Staat, der zwar stark sein müsse, aber keinesfalls allmächtig. Mit klaren Thesen und teilweise sehr amüsanten Sprüchen garniert, „Ich habe Joschka Fischer erlebt und Jürgen Trittin erlitten!“, skizzierte er das Bild von seinem Deutschland für die Zukunft unter dem Credo „Die Schere von (gesellschaftlich) unten nach oben zu schließen, erreicht man nicht durch Umverteilen , sondern durch Chancengleichheit!“

Mit Blick auf die Finanzkrise sagte Clement selbstkritisch: „Ich war selbst Teil dieses Systems als Mitglied im Vorstand der West-LB!“ Bei seiner Rede streifte der der ehemalige Bundesminister auch noch die EU, den demografischen Wandel und die Tarifautonomie in Deutschland, die seines Erachtens ein wesentlicher Garant für die gute wirtschaftliche Situation Deutschlands sind. Er mahnte aber auch: „Wer Geld verteilen will, muss selbiges vorher verdienen!“

Clement und die FDP

Nach rund einer Stunde endete dann ein sichtlich in Fahrt geratener Clement mit seiner Rede mit den folgenden Worten: „Meine Wünsche und Hoffnungen richten sich daher an eine kleine Partei, der ich mehr Größe wünsche!“ Zweifelsohne meinte Wolfgang Clement die FDP. Zum Abschluss gab es für den Mann aus Bochum in NRW einen bayrischen Trachtenhut, den er sogar sofort aufsetze. Bei der übersichtlichen Anzahl an Zuhörern trafen seine Worte auf fruchtbaren Boden und zwischen den Reihen war zu hören: „Der kann wirklich reden!“ Alle Bilder der Veranstaltung auch unter http://www.deine-wahl-2013.eu.mn

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