Dienstag, 20.04.2021 22:22 Uhr

Ein Fluch liegt über Libanon

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 17.03.2021, 11:40 Uhr
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Jerusalem [ENA] Seit Jahrzehnten herrscht im Zedernland ein sich gegenseitig im Schach haltendes Kastensystem, das den Klientelismus zur hohen Kunst, aber auch zur unüberwindbaren Formel eines funktionablen Staatswesens „veredelt“ hat. Nun bricht diese künstliche Struktur auseinander, und Libanon versinkt in einen anarchischen Dauerzustand der Unregierbarkeit. Bereits werden Supermärkte geplündert, da der Hunger um sich greift.

Wer Ursachenforschung über das Auseinanderfallen des künstlich am Leben gehaltenen libanesischen Staatsgebildes betreibt, wird schnell fündig, wo die Bruchstellen liegen: die gesamte politische Struktur zerfällt nach Stammes- und Religionszugehörigkeit. Hinzu kommen unüberwindbare Verwerfungen in der Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Strassenunruhen tragen das Ihrige dazu bei, dass das lodernde Feuer der Unrast immer wieder neu angefacht wird. Alle politischen und Verwaltungsstrukturen sind bis auf die Knochen verfault und von Korruption auf jeglicher Ebene durchsetzt. Aufgrund von Corona ist zudem das Gesundheitssystem praktisch vollständig zusammengebrochen.

Das Finanzwesen liegt nicht bloss im Argen, sondern am Boden. Es fehlen Staatseinnahmen und Devisen. Das im vergangenen Sommer von einer riesigen Explosion zerstörte Hafenviertel in Beirut hatte 300’000 aus ihren unbewohnbaren Häusern Vertriebene zur Folge. Nebst diesen Obdachlosen schwärt die Wunde von anderthalb Mio. syrischen Flüchtlingen, die praktisch alle unter der Armutsgrenze dem auseinander gedrifteten Staatswesen zur Last fallen. Kommt hinzu, dass die schwer bewaffnete Schiiten-Miliz Hisbollah unter der Führung von Hassan Nasrallah Libanon vollständig in Geiselhaft genommen hat. Die Unrast auf den Strassen breitet sich aus, die Verbrechen haben derart überhand genommen, dass sich die Bewohner ängstigen, aus dem Hause zu gehen.

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