Freitag, 23.02.2018 05:14 Uhr

Die Stunde der Komödianten

Verantwortlicher Autor: Dieter Kurth Berlin, 14.02.2018, 22:15 Uhr
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Polemischer Aschermittwoch
Polemischer Aschermittwoch  Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Der Titel hat nichts gemein mit dem gleichnamigen Roman von Graham Greene, beschreibt aber das gegenwärtige Verhalten der verantwortlichen Politiker irgendwie treffend. Wer den Aschermittwochsreden aufmerksam zugehört hat, stellt sich die Frage, warum die Erkenntnisse so spät kommen.

Wer sich die Zeit nehmen und den Hauptreferenten der Parteien in ihren hochemotionalen Aschermittwochsreden zuhören konnte, sah teilweise brillante schauspielerische Leistung, inklusive Gestik und Mimik. Eine Ausnahme bildete vielleicht die Bundeskanzlerin - bei ihr waren Gestik und Mimik in der bekannten zuverlässigen Art konstant. Es ist aber bemerkenswert, wie sie in ihren letzten Auftritten zumindest nicht unbedingt erwartete emotionale Ausbrüche aufwies. So sagte sie z.B. bei ihrem Auftritt in Demmin (Zitat):"Es ist nicht die Zeit für den Kopf durch die Wand, sondern für Vernunft und Verstand." Das ist doch mal eine Aussage, da kommt ein einfacher Bürger nie drauf. Es folgte auch gleich der Hinweis auf die geplante Ressortverteilung.

Man muss der Kanzlerin eines respektvoll attestieren: Ihre Gegner haben es nicht leicht. Die "Krokodilstränen" bei dem Zugeständnis, der SPD das so hoch im Kurs stehende Finanzministerium zu überlassen, sind nicht wirklich echt. In einem Interview bekannte die amtierende Kanzlerin auch noch den Schmerz, den ihr der Verzicht auf dieses wichtige Schlüsselministerium zugefügt hätte. Spätestens jetzt sollten die Signale auf "Achtung" stehen. Wenn man den Koalitionsvertrag liest, kann auch der mäßig Aufmerksame entdecken, dass die gesteckten Ziele eine Menge Geld kosten. Darüber hinaus sind die Kosten für viele anstehende Aufgaben noch nicht mal annähernd konkret ausgewiesen. Aber eines ist sicher: Es wird teuer.

Da ist es doch ein kluger Schachzug, dem ungeliebten Zwangspartner das Ministerium zu übergeben, welches sich ohnehin schwertun wird, bei den gesteckten Zielen in der sogenannten "Schwarzen Null" zu bleiben. Da hat man dem Gegner die Handgranate übergeben - aber vorher den Sicherungsring mit Splint entfernt - viel Erfolg und bei Problemen steht der Schuldige fest. Bei der gegenwärtigen Situation wird die Koalition am kurz- und mittelfristigen Erfolg gemessen. Da sind die zum Erfolg verurteilten Ministerien - wie z.B. Wirtschaft oder Gesundheit - wesentlich günstiger in der Betrachtung durch den Bürger. Viel Spass bei den Finanzen!

Durch den langen Zeitraum zwischen Wahlentscheidung und eventuell bevorstehender Regierungsbildung, konnte der sogenannte mündige Wahlbürger auch ein immer wiederkehrendes Phänomen beobachten. Politiker sind Alleskönner, Qualifikationen werden überbewertet. Heute Gesundheitsminister, morgen verantwortlich für Bildung oder Justiz oder Außenpolitik oder sonst was. Sollte man mal den Meisterbetrieben erklären, die manchmal nur wenige Mitarbeiter haben und nicht über das Schicksal von mehr als 80 Millionen Menschen entscheiden. Vielleicht sollte man jedem aufstrebenden Jungpolitiker mal das "Peter-Prinzip" zum Lesen empfehlen, denn manchmal geht es mit dem Erreichen der Stufe der Inkompetenz schneller als man denkt. Schönen Aschermittwoch!

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