Freitag, 02.12.2022 17:18 Uhr

Der "Doppel-Wumms" - größer als was?

Verantwortlicher Autor: Dieter Kurt Berlin, 04.10.2022, 23:45 Uhr
Kommentar: +++ Politik +++ Bericht 3009x gelesen
"Wumms" oder "Ums" muss noch geklärt werden ...  Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Nunmehr hat nicht nur in der hohen Diplomatie der flapsige Umgangston Eingang gefunden, Wenn ein Staatspräsident sich dazu hergibt, öffentlich zu verkünden, dass "es jetzt auf die Fresse" gibt, dann ist es fast eine Freude, dass wir in Deutschland nur einen "Wumms" zur Selbsterhaltung planen.

Die Sprache ist irgendwie rauher geworden. Seit Melnyk mit seinen unterschwelligen Beleidigungen um sich wirft, ist auf dem politischen Parkett der höfliche und dennoch konkrete Umgangston einem - man verzeihe mir den Ausdruck - etwas einfacheren "Straßenjargon" gewichen. Nunmehr werden den gemeinen Bürgern jeglichen Geschlechts, zur Linderung ihrer Furcht vor den Konsequenzen politischer Entscheidungen, nicht etwa konkrete Maßnahmen angekündigt, sondern ein Wumms, ach was, sogar ein Doppel-Wumms. Was immer das auch sein mag, es muss gewaltig sein (obwohl die Rechtschreibung noch nicht mal eindeutig geklärt ist: Es könnte auch nur ein "Wums" sein).

Gegenwärtig ist der griechische Philosoph Heraklit zitierfähig:"Panta rhei - Alles fließt", passt irgendwie in die Zeit. Allerdings stammt das Zitat aus der Zeit zwischen 520 und 460 v. Chr.. Europa steckt in einer tiefen Krise, die EU kämpft mit eventuell noch kritischeren Mitgliedern als bisher und wartet auf Entscheidungen in Italien, Griechenland, Schweden und Polen. Deutschland wird nur gelobt, wenn es der Lieferung sogenannter "schwerer Waffen" zustimmt oder Gelder bereitstellt. Der deutsche Aktienmarkt hat auch schon bessere Zeiten gesehen und der Euro rutscht derzeit in ein Niveau, was er eigentlich nur kurzzeitig nach Einführung einmal hatte. Die Inflation macht den Bürgern Angst, sie fürchten teilweise sogar um die Existenz.

Selbst der weiche Euro bringt dem Exportland Deutschland nicht den erwarteten Vorteil, da die Voraussetzungen für den Export in der Herstellung hochwertiger Waren eine Menge Energie erfordert - und gerade die ist nunmehr teurer als jemals zuvor und erfordert ein weiteres Einknicken politischer Moral. Wie sollte man sonst die Bemühungen verstehen, bei solch "lupenreinen Demokratien" wie z. B. die Arabischen Emirate oder Qatar um Lieferverträge zu ersuchen. Jetzt haben wir nach der Ankündigung des "Doppel-Wumms" aber real noch viermal richtig "Bums". Die Pipelines Nordstream 1 und 2 sind defekt und nicht mehr betriebsfähig. Nun wird wieder spekuliert, wer die Defekte verursacht hat. Natürlich stehen die Russen im Fokus.

Logisch gesehen haben die das geringste Motiv - aber so sind sie ja die Russen: Unberechenbar! Andererseits - was regt sich unsere rot-grüne Regierung darüber auf? Ist doch eigentlich egal, wer der Verursacher war. Deutschland wollte doch ohnehin kein Gas mehr von Russland und schon gar nicht über Nordstream 2 - da bekam man eine Entscheidung abgenommen. Nun muss man auch nicht mehr fürchten, dass die USA uns mit Strafen für eventuelle Inbetriebnahme von Nordstream 2 drohen muss. Sind eben viele Milliarden Euro in der Ostsee versenkt - sind ja nicht unsere Schulden. Wir schaffen ja "Sondervermögen" und nun nebenher noch 200 Mrd. Euro "Doppel-Wumms".

Leider fällt diese Geld nicht wie "Sterntaler" vom Himmel, sondern muss von den Bürgern erarbeitet werden - da kommt auch in schlechten Zeiten die hohe Inflation dem Staat zu Hilfe. Natürlich steigen mit den ausufernden Preisen auch die indirekten Steuern. Irgendwie ist keine Strategie erkennbar - es sei denn, man will das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit völlig ausser Kraft setzen. Beispiele dafür sind die schnelle Unterstützung der Bedürftigen, richtig aber planlos gemacht. Damit werden bisher nur die Grenzen der arbeitenden Bevölkerung zu den Hilfeempfängern verwischt. Noch problematischer wird es bei der Durchsetzung des neuen Mindestlohnes von 12 Euro werden. Natürlich ist das eine gute Sache - hat aber einen Haken.

Viele Werktätige mit abgeschlossener Berufsausbildung bekommen gegenwärtig zum Teil nur geringfügig über diesen Stundensatz berechnet. Irgendwann werden diese Fachkräfte sich fragen, worin denn der Sinn ihrer z.T. jahrelangen Ausbildung lag, wenn nunmehr jede Hilfskraft ähnlichen Entlohnungsanspruch hat. Nicht falsch verstehen: Jedem sei sein Einkommen für sachgerechte Arbeit vergönnt - wenn aber die Qualifikationsunterschede verwischt werden oder gar keinen Einfluss mehr haben, dann sind wir (ganz vorsichtig ausgedrückt) in der Vorstufe des Kommunismus angekommen. Dann heißt es nicht mehr jeder nach seinen Fähigkeiten und Leistungen, sondern "Jeder nach seinen Bedürfnissen". Ich denke , dieser Ansatz könnte zu Unstimmigkeiten führen.

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