Freitag, 27.04.2018 04:56 Uhr

Soziales Netz oder Hafenstreik

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 16.04.2018, 18:25 Uhr
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EVdB-Gründung: Schiffer wollen wieder ins soziale Netz
EVdB-Gründung: Schiffer wollen wieder ins soziale Netz   Bild: Jochen Raffelberg

Köln [ENA] Die Europäische Vereinigung der Binnenschiffer fordert eine Wiederherstellung der Festmach-Vorrichtungen im Kölner Rheinauhafen, damit die Partikuliere und ihre Familien “wieder ans soziale Netz angekoppelt werden.” Andernfalls schloss die EVdB eine Bestreikung der Kölner Häfen nicht aus.

Auf ihrer Gründungsversammlung am Montag in Köln sagte der EVdB-Vorsitzende Christian Niemann: “Wir haben keine Lobby und müssen uns mit gezielten Massnahmen durchsetzen. Lieber einen schlechten Ruf haben als gar keinen.” Aufgrund des von seiner Organisation aufgebauten Drucks sei eine Regelung des Konflikts mit den Behörden “auf Kurs”. Da der bevorzugte Bau von Dalben vor der Kaimauer aber Zeit in Anspruch nähme, rechne man jetzt mit Pontons als Űberganglösung.

Niemann und sein Stellvertreter Jürgen Collee bekräftigten ihre Forderung, dass wie vereinbart bis zum kommenden Freitag ein Zeitplan für die Arbeiten vorgelegt werden müsse, andernfalls die Protestaktionen wieder aufgenommen würden. Der EVdB könne sich auch eine Bestreikung der Kölner Häfen seitens der Partikuliere vorstellen, falls deutlichen Fortschritte ausblieben. “Wenn nur 30 Prozent (der Schiffseigner) mitmachen, wäre das schon fühlbar,” sagte Collee. Der Hupprotest sei die Auftaktaktion gewesen.

Bei einer Anhörung der Stadt Köln hatten die Schiffer den 20. April als Ultimatum für ein Zeitfenster gestellt. Zumindest erwarte man einen Hinweis darauf, ob eine kurzfristig machbare Zwischenlösung erfolgen könne z.B. in Form von Stelzenpontons, also einer wasserstandsabhängigen Platform, die an Dalben befestigt wird. Sie seien in Holland vorrätig. Auch sieht die EVdB den städtischen Hafenbetreiber HGK bei einer Kostenbeteiligung “in der Pflicht, als Wiedergutmachung”, sagte Collee. Jetzt werde den zuständigen Stellen ein entsprechendes Paket übermittelt, um einen “Kölner Leuchtturm-Effekt” zu erzielen, der auf andere Liegeplatz-Probleme entlang des Rheins positive abstrahlen könne.

Die Ponton-Idee ist Collee zufolge auf “fruchtbaren Boden gefallen.” Pontons könnten eine ca. 300 Meter lange Festmach-Gelegenheit bieten. Während der Gründungsveranstaltung auf dem am Rheinauhafen vertäuten Fahrgastschiff Rheintreue erklärte die EVdB, sie wolle alle Mitglieder der Binnenschifffahrt vertreten, vom Azubi bis zum Grosspartikulier. Die Kommunikation solle weiterhin über die EVdB-Facebookgruppe erfolgen. Während die Vereinigung zur Zeit der Gründung laut ihrer Kassenwartin Iris Klinkenberg 27 Mitglieder hatte, verzeichnete die Facebookgruppe knapp 5000 Namen.

Die HGK hatte das Anlegen im Rheinauhafen im Februar verboten, nachdem Schiffe bei Hochwasser Festmach-Einrichtungen aus der Verankerung gerissen hatten. Gegen das von der Stadt bedauerte plötzliche Verbot hatten die Schiffer protestiert, weil ihnen, ihren Familien und ihrem Personal die Möglichkeit genommen worden sei, Kinder aus dem Internat wieder an Bord zu nehmen, fristgerechten Personalwechsel auszuführen, Lebensmittelkäufe oder Arztbesuche zu tätigen oder einen Abend in Köln zu verbringen.

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