Montag, 19.04.2021 09:41 Uhr

Reformer: Erzbistum walzt Kritik nieder

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg München/Köln, 11.01.2021, 18:12 Uhr
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München/Köln [ENA] Die katholische Reformbewegung Wir sind Kirche hat dem Erzbistum Köln vorgeworfen, es wolle den Widerspruch eines Priesters gegen Kardinal Rainer Maria Woelki mit “Gewalt niederwalzen” und so von “eigenem Versagen” ablenken. Die Deutsche Bischofskonferenz solle auf Woelki einwirken, damit dieser mit seinem Verhalten “nicht noch mehr Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche” anrichte, erklärte die Bewegung.

Wir sind Kirche verurteilt die Kritik der Erzdiözese an Pfarrer Klaus Koltermann aus Dormagen, dem es Verstöße gegen seine Dienstpflichten vorgeworfen und dienstrechtliche Konsequenzen angedroht hatte. Koltermann hatte den Kardinal wegen seiner Heiligabend-Predigt im Kölner Dom kritisiert. Dort hatte Woelki nach Darstellung der Bewegung Gläubige und Betroffene sexualisierter Gewalt “im larmoyanten Ton” um Verzeihung dafür gebeten, dass sie Kritik an der Nichtveröffentlichung eines Missbrauchsgutachtens für die Erzdiözese und an seiner Person hätten ertragen müssen. Darin könne er keine Reue über das persönliche Fehlverhalten des Kardinals erkennen: „Damit wurde noch restlich vorhandene Glaubwürdigkeit verspielt,“ wurde Koltermann zitiert.

Wir sind Kirche solidarisiere sich mit Pfarrer Koltermann und rufe auch die Priester sowie die Haupt- und Ehrenamtlichen im Erzbistum Köln zur Solidarität auf; von den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz erwarten die Reformer ein Einwirken auf Kardinal Woelki, “damit er mit seinem Verhalten nicht noch mehr Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche anrichtet”. Laut Wir sind Kirche deutet das Erzbistum die Aussagen des Pfarrers als „öffentliches Eintreten gegen die Katholische Kirche, das Erzbistum Köln oder dessen Amtsträger“, was nicht mit den „Loyalitätspflichten im Seelsorgedienst“ vereinbar sei. Die Reformer werfen der Kölner Kirchenleitung vor, sie habe nicht das Gespräch mit Koltermann gesucht.

Stattdessen wolle sie “offensichtlich mit den Mitteln totalitärer Systeme, nämlich mit Gewalt jeden Widerspruch gegen das eigene Versagen niederwalzen,” erklärten die Reformer. Es dürfe nicht sein, dass Koltermann wegen seiner Kritik an Woelki vorgeworfen werde, gegen die katholische Kirche zu agieren. “Kritik am Bischof kann und darf nicht mit Kritik an der katholischen Kirche gleichgesetzt werden. Loyalitätspflicht gegenüber der Kirchenleitung kann nicht total sein.” Aufgabe des Bischofs sei es, bei Differenzen das Gespräch zu suchen, eigenes freimütig Fehlverhalten einzugestehen und nicht sofort die Keule des Dienstrechts zu schwingen.

Mehrere Bischöfe hätten kritisiert, dass Kardinal Woelki das von ihm selbst in Auftrag gegebene Missbrauchsgutachten noch nicht veröffentlicht habe. Während der Münchner Kardinal Reinhard Marx das Verhalten Woelkis laut Reformern als „verheerend“ bezeichnete, prüfe der Münsteraner Bischof Felix Genn die Möglichkeit kirchenrechtlicher Ermittlungen gegen Woelki. Dieser hatte gesagt, ihm tue “aufrichtig und von Herzen leid”, dass Priester und insbesondere die Menschen in Gemeinden und Verbänden der Kritik, die dem Erzbistum “und insbesondere aber auch mir gilt”, mit ausgesetzt seien. Der Kardinal versicherte Heiligabend laut Domradio, zu seinem Wort zu stehen, die Missbrauchsvorwürfe aufzuklären und auch Verantwortliche zu benennen.

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