Freitag, 18.05.2012 11:43 Uhr

Trauttmansdorff – mehr als ein historisches Refugium

Verfasser: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 26.12.2011, 10:08 Uhr
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Schloss Trauttmansdorff
Schloss Trauttmansdorff  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Trauttmansdorff liegt oberhalb von Meran in Südtirol und ist von dort leicht mit dem Auto zu erreichen. Weit interessanter aber ist der Weg dorthin zu Fuß. Als Ausgangspunkt dient die Meraner Promenade. Wir folgen dem berühmten Sissi-Weg, benannt nach der Kaiserin Elisabeth (1837-1898).

Mit ihr begann der Aufstieg Merans als Weltstadt, nachdem der internationale Adel der Kaiserin Jahr für Jahr folgte. Inzwischen ist Meran auch wichtiges Zentrum des heutigen Tourismus geworden, und zwar sommers wie winters. Klima und Landschaft bieten außergewöhnliche Vorteile und Reize. Man muss sich den Sissi-Weg in den 70er Jahren des 19. Jhdts. eher als einsame Verbindung mit dem Schloss Trauttmansdorff vorstellen, an dem sich zwar weitere Schlossanlagen befanden, die aber vom eigentlichen Weg durch ausladende Parks weiter entfernt waren.

Meran Wandelhalle
Promenade - Durchblick
Meran Promenade

Heute erkennt man zweierlei: Einmal säumen den Sissi-Weg eine Vielzahl von prächtigen alten und neuzeitlichen Villen sowie Hotels, zum anderen hat man an einigen Stellen große Parkanlagen belassen und behutsam gepflegt, so dass sie von den Bewohnern und Touristen aufgesucht werden können. Hier lässt sich, besonders zur Sommerzeit, im Schatten der riesigen Bäume angenehm verweilen.

Weiter geht es an Bauernhöfen vorbei mit sehr altem Baum- und Heckenbestand, und dazwischen befinden sich immer wieder ausgedehnte Weinberge. Am Ende des Sissi-Weges ändert sich dann plötzlich das Landschaftsbild: Man befindet sich auf einem kleinen Plateau, das zur Rechten den Blick freigibt auf das gegenüber liegende imposante Schloss Trauttmansdorff. Es befindet sich auf einem höheren Felssporn, um den herum sich talwärts die berühmten Gärten ausdehnen.

Den Grundstock für diese einzigartige Gartenlandschaft hatte bereits in der Mitte des 19. Jhdts. Graf Trauttmansdorff selbst gelegt. 1870 war dann die Kaiserin zum ersten Mal dort zur Winterkur abgestiegen und hatte hinfort diesen Ort besonders geschätzt. Es ist nicht verwunderlich, dass diese positiven Vorgaben, nämlich die besondere Lage und Atmosphäre, in neuerer Zeit von den verantwortlichen Politikern Südtirols aufgegriffen wurden. Dennoch erforderte die anstehende Weiterentwicklung eines neuen, komplexen Konzeptes riesige finanzielle Investitionen, die zunächst einmal aufgebracht werden mussten. Die stetig wachsenden Besucherströme haben jedoch sicherlich inzwischen geholfen, den Schuldenberg weiter abzubauen.

Das neue Trauttmansdorff ist als größeres Ganzes zu sehen. Inmitten des überdimensionalen Parkplatzes erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe das lichtdurchflutete, aus vielen Glasflächen bestehende Informationszentrum, welches mittels einer Brücke über die vorbeiführende Straße nach Schenna bzw. Bozen die Verbindung zum eigentlichen Schlossbereich herstellt. Am Ende der Brücke, nach rechts biegend, erreicht man den Eingang zu den Gärten.

Zweifellos bilden die ca. 80 Gartenlandschaften mit Pflanzen aus aller Welt die Hauptattraktion. An einigen, wie z.B. am „Garten für Verliebte“ (Eröffnung 2013), wird zurzeit noch gearbeitet. Diese Landschaften bilden zwar für sich je eine besondere Einheit, gehen aber alle in einer umfassenden Idee von „Garten“ auf. Die Übergänge sind fließend und werden von einem engmaschigen Wegenetz unterstützt, das den Besucher schnell zu den gewünschten Örtlichkeiten leitet. Das System ist sehr übersichtlich und gut beschildert.

Als weiteres strukturierendes Merkmal gelten die verschiedenen Arten von Zypressen. Teilweise leiten sie – in markanten Linien gepflanzt - den Blick auf hervorzuhebende Gebäude oder angelegte Teiche, beziehungsweise unterstreichen in besonderer Massierung das in der Höhe thronende Schloss. Zwei riesige, von seitwärts der Gärten hereinragende Stahlkonstruktionen dienen als Aussichtsplattformen, von denen der Besucher einen grandiosen Überblick über die unter ihm liegenden Naturwelten hat. Aus der Vogelperspektive erkennt er die unterschiedlichen „Rundwege“, wie Wald-, Sonnen-, Wasser- und Terrassengärten wie auch „Landschaften Südtirols“.

Auf dem Rückweg zur Brücke, genau gegenüber ihrem Ende befindet sich der Eingang zum „Touriseum“, dem Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, das größte seiner Art. Gleich zu Beginn finden hier unterschiedliche Ausstellungen statt, zuletzt „Sie wünschen?“ – eine Kellnerausstellung mit interaktiven Phasen für den Besucher sowie informativen, inklusive literarischen Texten. Hier werden historische und zeitgenössische Aspekte dieses Berufs illustrierend und zeitweilig mit einem Augenzwinkern dargestellt.

Eine zusätzliche Dauerausstellung gibt einen sehr interessanten Überblick über 200 Jahre Geschichte des Tourismus in der Gegend. Die einzelnen Räume sind mit markanten Originalen ausgestattet, geschickt angeordnet und sehr informativ. Zugleich erinnern sie, z.B. eine BMW Isetta, an eigene Erfahrungen und rufen oft ein Schmunzeln bei den Betrachtern hervor. Man sollte sich diese Dauerausstellung nicht entgehen lassen.

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