Freitag, 18.05.2012 11:34 Uhr

Oper auf Reisen

Verfasser: Winfried Schendel Bad Freienwalde, 23.12.2011, 02:01 Uhr
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Bad Freienwalde [ENA] Eine Oper braucht das Land Brandenburg! So oder ähnlich dachte der Theaterwissenschaftler, Opernregisseur und Hochschullehrer Arnold Schrem, und gründete mit einigen Mitstreitern eine Wanderoper. Dieses mobile Musiktheater soll nun mit Opern, Musicals und Konzerten, etwa viermal im Jahr in möglichst allen Landkreisen Brandenburs gastieren. Gespielt wird im kleinen Rahmen und richtet sich hauptsächlich an Kinder.

Darum verwundert es auch nicht, dass am 3. November 2011 im Kurtheater von Bad Freienwalde zur Premiere, Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ aufgeführt wurde. Das Ensemble, bestehend aus sechs Sängern und neun Musikern tourt nun für drei Monate durch die brandenburgische Provinz. In einer zweistündigen Inszenierung, die der langjährige Chefdirigent des Filmorchesters Babelsberg Bernd Wefelmeyer in einer abgespeckten Version neu bearbeitet hatte, zeigte sich, dass auch mit begrenzten finanziellen Mitteln etwas Besonderes entstehen kann.

Seit anderthalb Jahren arbeitete Schrem an seinem Projekt Wanderoper, der zunächst noch vorsichtig optimistisch in die Zukunft blickt, da seine Wanderbühne nicht überall in Brandenburg auf Interesse stößt. „Die meisten Kommunen warten erst einmal ab, wie das bei neuen Sachen so ist. Das wird schon“, konstatiert Schrem. Aber nicht die Unterhaltung, sondern vor allem die kulturelle und musische Erziehung junger Mensch steht im Mittelpunkt des Projekts. Vor allem über die Schulen will Schrem versuchen das Interesse an Oper und Operette bei Kindern aller gesellschaftlicher Schichten zu wecken.

In langen Gesprächen musste der unermüdliche 61-Jährige Überzeugungsarbeit leisten, um Mitstreiter und Unterstützer für seine Idee zu gewinnen. Aber im Februar 2011 war es dann soweit, der „Wanderoper“ – Verein für kulturelle Bildung wurde gegründet. Die erste Inszenierung wurde vom Brandenburgischen Kulturministerium, der Stadt Bad Freienwalde und der EWE – Stiftung finanziert. Trotz des knappen Budgets konnten professionelle Opernsänger und Musiker gewonnen werden. Etwa Nora Lentner, die Darstellerin der „Gretel“, die erst im Sommer ihr Musikstudium in Berlin beendet hat.

Viel Enthusiasmus gehört dazu, wenn täglich, trotz eines engen Zeitplans, sechs bis sieben Stunden geprobt wird. Die 25-Jährige Sängerin sieht in ihrer Mitwirkung im Wanderoper – Ensemble auch eine Empfehlung für zukünftige Engagements. Schließlich gehörte es früher für einen Künstler dazu auf Tournee zu gehen, und sich dem Publikum zu präsentieren. Die Wanderbühne ist in dieser Hinsicht nichts Neues. Opern-Regisseur Schrem sieht das ganze Projekt aber auch von einer ganz nüchternen Seite wenn er bemerkt, dass darin nicht die Zukunft liegt, aber gleichzeitig darauf hinweist, dass so zumindest finanzielle Engpässe vermieden werden, und eine kulturelle Grundversorgung sichergestellt wird.

Bei diesem Projekt wird in die Zukunft investiert, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Schüler -Tickets werden vom Brandenburger Bildungsministerium subventioniert, und die Räumlichkeiten stellen die Kommunen und Gemeinden zur Verfügung. Geeignete Spielstätten gibt es in Brandenburg nach dem finanziellen Aus vieler Bühnen genug. Für das nächste Jahr ist Mozarts „Zauberflöte“ geplant. Die Proben sollen bereits im Januar beginnen. Auch Nora Lentner hofft dann, trotzt der geringen Gage, wieder mit von der Partie zu sein. Denn auch sie ist davon überzeugt, dass man Kinder an die Klassische Musik heranführen kann.

Das Konzept sieht später die theater - und musikpädagogische Arbeit der „Wanderoper“ in den Schulen vor. Hoffentlich haben Arnold Schrem samt Ensemble und Förderer auch einen langen Atem, und verfügen über die notwendigen finanziellen Mittel die man für ein Projekt dieser Grössenordnung benötigt. Wie oft schon sind in den letzten Jahren gutgemeinte kulturelle Initiativen wie Seifenblasen zerplatzt. Aber Wanderoper – Initiator Schrem ist ja ein „zäher Hund“, wie er selbst von sich behauptet - das lässt hoffen!

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