Ethnologische Erkundungen
Frankfurt am Main [ENA] Mit Objekten aus den unterschiedlichsten Gegenden und Ethnien der Erde, präsentiert und betreibt das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main, Gemeinsam mit den Werken sieben internationaler Künstler, eine Ausstellung auf Grundlage einer musealen Feldforschung.
Die meisten Künstler griffen in ihren Studien auf das Medium der Malerei zurück, und verliehen ihrer Arbeit damit eine gestalterische Komponente und einen nicht erwarteten historischen Bezug. Ohne in ferne Länder reisen zu müssen, betrieben die Künstler ihre Feldforschung als „Artists in Residence“, vom Februar bis September 2011 in den Räumlichkeiten des Weltkulturen Museums. In einer Sammlung außereuropäischer Gegenwartskunst schuf das Weltkulturen Museum bereits zu Beginn der 1980er Jahre, einen ersten Ansatz zu einem Dialog zwischen zeitgenössischer und ethnologischer Kunst.
Wie dieses sich Einlassen, auf die oft schwierige künstlerische Auseinandersetzung auf ethnologische Artefakte aussehen kann, vermittelt die von Clèmentine Deliss kuratierte Ausstellung auf eindrucksvolle Weise. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Ethnologen auf Expeditionen meistens von Künstlern begleitet, denen es oblag, Artefakte und Menschen vor Ort zu dokumentieren. So zeigt die Ausstellung erstmalig Zeichnungen und Fotografien von phallischen Pfosten, die der Maler Alf Bayrle 1934 während einer Äthiopien-Expeditition geschaffen hat, zusammen mit den originalen Grabstelen, die das Museum im gleichen Jahr erwarb.
Die Ausstellungsobjekte kontrastieren eindrucksvoll an der Nahtstelle von Kunst und Handwerk, und unabhängig ihrer ethnologischen Herkunft die Möglichkeiten menschlicher Kreativität. So zeigt zum Beispiel die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga Waffen, Schmuck und Kunstwerke die sie in Lagos und Tilburg kreierte. Mythische prähistorische Steine aus Papua Neuguinea zeigen Bilder von Antje Majewski. Oder aber Thomas Bayrle - Sohn von Alf Bayrle-, der fein gewebte Fischreusen aus Indonesien und Papua-Neuguinea für eine „Falle für dumme Autos“entwirft, zeigen die ungeahnten Möglichkeiten zeitgenössischer Kunst in Verbindung mit den Gebrauchs – und Kultobjekten anderer Kulturen.
Und gerade hier scheint diese Ausstellung aller Möglichkeiten zum Trotz, den Charakter eines Happenings zu entwickeln. Die Objekte wirken in Verbindung mit der zeitgenössischen Kunst zum Teil instrumentalisiert und deplatziert, und verlieren dadurch ihre Authentizität. So sind die Fischreusen bei Bayrles „Falle für dumme Autos“ Mittel zum Zweck. Die Reuse mutiert vom Gebrauchsobjekt zum Kunstobjekt und wird damit zum Mittel der Beliebigkeit. Zu der Ausstellung, die noch bis zum 16. September 2012 zu sehen ist, erschien beim Kerber Verlag ein reich bebilderter Katalog.




















































